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Cochlea

Was ist ein Cochlea-Implantat?

Ein Cochlea-Implantat ist – vereinfacht dargestellt – eine Hörprothese. Diese umgeht den nicht funktionierenden Teil des Innenohrs, die Hörschnecke, und stimuliert den Hörnerv direkt. Darin liegt der wesentliche Unterschied zu einem Hörgerät. Der Hörnerv leitet die Information ans Gehirn weiter, wo sie gehört und erkannt wird. Die Operation gilt als risikoarmer Routineeingriff. Eine großangelegte Studie aus Großbritannien ergab, dass das Risiko schwerer Komplikationen dieser Operation mit rund 1,6% sehr gering ist. 

Woraus besteht ein Cochlea-Implantat?

Ein Cochlea-Implantat System besteht aus einem internen und einem externen Teil. Das Implantat (intern) liegt unter der Haut und hat eine Elektrode, die in die Hörschnecke (Cochlea) eingeführt wird. Dort ersetzt sie die fehlenden oder beschädigten Haarzellen. Der sogenannte Audioprozessor (extern) nimmt mit einem Mikrofon die akustischen Signale der Umgebung auf. Er wird hinter dem Ohr getragen. Über eine Spule werden die Schallsignale an das Implantat übertragen und in elektrischen Signale umgewandelt.

 

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So funktioniert ein Cochlea-Implantat:

  • Ein Mikrofon im Audioprozessor nimmt den Schall auf.
  • Der Audioprozessor analysiert und kodiert die Audiosignale in elektrische Signale.
  • Diese werden an den Sender und von dort durch die Haut ans Implantat gesendet. Das Implantat wandelt die kodierten Signale in elektrische Impulse um.
  • Diese werden über die Elektroden-Kontakte an die verschiedenen Stellen in der Cochlea weitergeleitet.
  • Der Hörnerv empfängt die elektrischen Impulse und gibt sie an den für das Hören zuständigen Bereich im Gehirn weiter, wo sie als akustisches Ereignis (Geräusch, Musik, …) erkannt werden. 

Für wen eignet sich ein Cochlea-Implantat?

Ein Cochlea-Implantat eignet sich für Personen jeden Alters, die eine schwere bis hochgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit (an Taubheit grenzend) haben. Sowohl Kinder, die von Geburt an gehörlos sind, als auch Personen, die erst nach dem Erlernen der Sprache ertaubt sind, können ein Cochlea-Implantat erhalten. Bereits wenige Monate nach der Geburt ist eine Implantation möglich.
Voraussetzung für ein Cochlea-Implantat ist ein funktionierender Hörnerv, der die Signale ans Gehirn weiterleiten kann. 

Wie klingt ein Cochlea- Implantat?

Diese Frage stellen sich viele Menschen, die vor der Entscheidung für ein Cochlea-Implantat stehen. Einheitliche Aussagen dazu gibt es keine, da jeder Mensch anders hört. Das Gehirn muss (wieder) lernen, mit einem Implantat zu hören. Wie lange dieser Lernprozess dauert, ist individuell verschieden und hängt von mehreren Faktoren ab. 
Das nachfolgende Rehabilitationsprogramm ist wesentlich für den Erfolg einer Cochlea-Implantation. Es besteht aus regelmäßigen Terminen mit Sprachtherapeuten und Übungen für zuhause. Für Erwachsene kann die Reha 6-12 Monate in Anspruch nehmen, für Kinder mehrere Jahre.

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Source: MED-EL

Vorteile eines Cochlea-Implantats

  • Besseres Sprachverständnis auch in lauter Umgebung. Dadurch fällt es Nutzerinnen und Nutzern leichter, in der Schule, am Arbeitsplatz und ihrem sozialen Umfeld aktiv teilzunehmen. Vielen gelingt das sogar ohne Lippenlesen.
  • Deutlicher sprechen – Die eigene Stimme und die anderer Menschen zu hören, hilft Nutzerinnen und Nutzern, deutlicher zu sprechen.
  • Telefonieren – Besseres Verständnis von Sprache ohne Lippenlesen macht das Telefonieren einfacher.
  • Mehr Selbständigkeit – Nutzerinnen und Nutzer, die das Läuten an der Türe, das Telefon und den Verkehr hören und Gespräche, auch in größeren Gruppen, führen können, fühlen sich selbstsicherer und unabhängiger. 
  • Studien haben gezeigt, dass Kinder, die schon früh mit Cochlea-Implantaten versorgt wurden, bessere Leistungen in der Schule erbringen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Regelschulen besuchen und bessere Berufschancen haben als solche, die später implantiert wurden [1]
  • Viele Kinder, die mit einem Cochlea-Implantat versorgt sind, erreichen das gleiche Ausbildungsniveau und vergleichbare Beschäftigungschancen wie Kinder ohne Hörbeeinträchtigung [2].
  • Höhere Lebensqualität – Nutzerinnen und Nutzer können (wieder) aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Mehr soziale Kontakte bedeuten für sie subjektiv mehr Lebensqualität. Die Gefahr von Vereinsamung und das Risiko einer Depression sinken dadurch.
  • Musikgenuss – Dank ihres Cochlea-Implantats können viele Nutzer ein großes Klangspektrum unterscheiden und so Musik mehr genießen.

[1]Bond M, Mealing S, Anderson R, Elston J, Weiner G, Taylor RS, et al. 2009. The effectiveness and cost-effectiveness of cochlear implants for severe to profound deafness in children and adults: a systematic review and economic model. Health Technol Assess13(44):1-330.

[2] Venail F, Vieu A, Artieres F, Mondain M, Uziel A. 2010. Educational and Employment Achievements in Prelingually Deaf Children Who Receive Cochlear Implants. Arch Otolaryngol Head Neck Surg 136(4):366-72.

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Worauf muss ich bei der Wahl eines Cochlea-Implantats achten?

 

Die Entscheidung für ein Cochlea-Implantat ist eine weitreichende und langfristige. Das Implantat selbst ist im besten Fall fürs Leben. Der Audioprozessor hingegen kann leicht getauscht werden. Deshalb macht es Sinn, besonderen Wert auf das Implantat, das unter der Haut getragen wird, zu legen. Folgende Punkte solltest du bei der Entscheidung für ein Implantat beachten:

 
  1. Länge der Elektrode: Die Länge der Cochlea ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es ist wichtig, dass die Elektrode die gesamte Länge der Cochlea abdeckt. In der Cochlea sind die Haarzellen an unterschiedlichen Stellen in der Cochlea für unterschiedliche Tonhöhen zuständig, wie bei den Tasten eines Klaviers. Nur wenn alle Bereiche der Cochlea durch die Elektrode abgedeckt sind, hören Nutzer sowohl die hohen als auch die tiefen Töne. Für ein optimales Hörergebnis sollte die Elektrode auf die individuelle Länge der Cochlea abgestimmt sein.
  2. Weichheit der Elektrode: Unsere Cochlea ist nur erbsengroß und sehr empfindlich. Um sie beim Einführen der Elektrode nicht zu beschädigen, muss die Elektrode weich und flexibel sein. Mit einer weichen Elektrode kann vorhandenes Restgehör besser bewahrt werden. Dadurch profitieren Nutzer eher von zukünftigen technologischen und medizinischen Entwicklungen. 
  3. MRT-Kompatibilität: Eine Magnetresonanztomographie (MRT) wird heutzutage in der Medizin oft angewendet, um sich ein Bild vom Inneren des Körpers zu machen. Doch nicht mit allen Cochlea-Implantaten sind MRT-Untersuchungen möglich, da die Magnete des Implantats bei der Untersuchung verrutschen können. Der Magnet muss deshalb vor der Untersuchung bei diesen Cochlea-Implantaten operativ entfernt werden. Mittlerweile gibt es jedoch Implantate, mit denen MRT-Untersuchungen von bis zu 3 Tesla auch ohne operative Magnetentfernung möglich sind. Die Magnete dieser Implantatmodelle richten sich am Magnetfeld aus und verrutschen nicht. Genauere Informationen zu Implantaten und MRT-Kompatibilität erfährst du bei deinem Hersteller.

 

Weitere Informationen zu den Kosten und alles Wichtige zur Operation findest du auf den Unterseiten.