Menü

Hörpatin Heike

  • Ort:Dettenhausen, Tübingen, Baden Württemberg
  • Über HeikeCochlea-Implantatnutzerin
  • Art des Hörverlusts:Beidseitiger Hörverlust
    Progressiver Hörverlust
    Postlingualer Hörverlust
  • Hobbys:Reiten, Fotografieren, Reisen

Meine Hörgeschichte

Ich wurde hörend geboren. Als ich zweieinhalb Jahre alt war, bemerkte meine Mutter allerdings, dass ich nicht mehr reagierte, wenn sie mich von hinten ansprach. Sie startete eine Odyssee von Arzt zu Arzt und erst die dritte Anlaufstelle bestätigte ihre Vermutung: beidseitige hochgradige Schwerhörigkeit. Der Tatsache, dass sie sich nicht vom ersten Arzt abspeisen ließ, habe ich viel zu verdanken. Ich wurde bald mit Hörgeräten versorgt. Meine Mutter unterstützte mich als Kind mit Hörgeräten enorm. Ich besuchte eine Regelschule und erlernte später den Beruf der Industriekauffrau.
Da ich fast mein ganzes Leben schwerhörig war und Hörgeräte trug, wusste ich bereits früh von CIs. Sie standen allerdings für mich nie zur Debatte, solange ich mit den Hörgeräten noch relativ gut zurechtkam.
Mein Hörvermögen verschlechterte sich über die Jahre, bis mit 36 Jahren die Grenzen des einigermaßen guten Sprachverstehens ziemlich abrupt unterschritten waren. Telefonieren, fernsehen ohne Untertitel, Gespräche in Umgebungen, die nicht absolut leise waren, all das war nicht mehr möglich. Ich arbeite im Vertriebsinnendienst einer Softwarefirma, wo das Telefonieren mit Kunden und Kollegen wichtig ist. Daher war rasches Handeln angesagt.
Ich machte mich also intensiv über Cochlea-Implantate kundig, hauptsächlich über das Internet. Schon bald folgte der erste Termin zur Voruntersuchung, neun Monate nach der letzten Verschlechterung dann die erste Implantation. Rund ein Jahr später ließ ich mir am anderen Ohr das zweite CI einsetzen. Beide Operationen verliefen völlig problemlos.

Mein Leben mit Implantat

Nach jeder Implantation machte ich in Bad Nauheim eine stationäre Reha, die super viel brachte. Mein Mann übte in der Anfangszeit immer viel mit mir. Das war jedoch nicht lange nötig.
Ich kann mit meinen CIs wieder Dinge tun, die ich im letzten Dreivierteljahr mit Hörgeräten nicht mehr konnte: telefonieren, fernsehen ohne Untertitel, mich beim Autofahren mit dem Beifahrer unterhalten, etc.

In keinster Weise möchte ich jemals wieder auf die CIs verzichten. Sie haben mir mein Leben zurückgegeben!

Ich kann auch wieder problemlos mit Kunden und Kollegen telefonieren, was für meine Arbeit unbedingt erforderlich ist. Beim Reiten ermöglichen mir die CIs, mich mit meiner Mitreiterin zu unterhalten. Das war vor den Implantationen nicht mehr möglich. In vielen Situationen verstehe ich mit den CIs besser und müheloser, als es mit den Hörgeräten jemals der Fall war. Klar gibt es auch manchmal Grenzen, etwa in extrem geräuschvoller Umgebung, aber diese Grenzen sind wieder sehr weit gesteckt. In keinster Weise möchte ich jemals wieder auf meine CIs verzichten, sie ermöglichen mir ein “normales Leben“!

Meine Aufgabe als HörPatin

Die CIs bedeuten für mich selbst so viel und haben mir so viel an Lebensqualität zurückgegeben!
Auf der anderen Seite weiß ich aber noch sehr gut, wie es sich anfühlt, unsicher zu sein und nicht zu wissen, was einen erwartet. Am authentischsten sind da natürlich Informationen direkt von CI-Trägern selbst. Daher möchte ich gerne anderen Menschen bei Ihrer Entscheidungsfindung oder bei Fragen rund ums CI helfen.

Mein wichtigster Tipp

Ich habe in den langen Jahrzehnten meiner Schwerhörigkeit (sowohl als Hörgeräte- als auch als CI-Trägerin) die Erfahrung gemacht, dass man weiterkommt, wenn man zu seiner Schwerhörigkeit steht und nicht versucht, sie zu verstecken.