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HörPatin Olga

  • Ort:St. Leoan-Roth, Baden Württemberg, DE
  • Über OlgaMutter einer Cochlea-Implantatnutzerin unter 18 Jahren
  • Art des Hörverlusts:Beidseitiger Hörverlust
    Progressiver Hörverlust
    Prelingualer Hörverlust
  • Hobbys:Theater, Musizieren, Golf

Meine Hörgeschichte

Schon sehr früh haben mein Mann und ich für unsere Tochter Amelie eine weitreichende Entscheidung getroffen. Und wir sind froh, dass wir ihr mit dieser Entscheidung für Cochlea-Implantate ein Leben in der Welt der Hörenden eröffnet haben. Amelie ist heute ein Teenager und besucht ein normales Gymnasium. Sie ist schulisch sehr engagiert und gehört zu den besten Schülern ihrer Klasse.

Amelie hatte bei ihrer Geburt aller Wahrscheinlichkeit nach ein funktionierendes Gehör, doch nach einiger Zeit ließ ihr Hörvermögen, vermutlich aufgrund von Paukenergüssen oder einer Mittelohrentzündung, stark nach. Wegen des Verdachts auf Innenohrschwerhörigkeit bekamen wir nach einer Hirnstammaudiometrie (BERA) dann die Diagnose, unsere Tochter sei „mausetaub“. Wir waren sehr niedergeschlagen und wollten alles dafür tun, dass Amelie hörend aufwachsen kann. In dieser Situation empfahl man uns Cochlea-Implantate. Also informierten wir uns ausführlich bei verschiedenen Ärzten und Ingenieuren für Hörimplantate und entschieden uns für die Implantation: Mit 11 Monaten bekam Amelie ein Cochlea-Implantat auf der rechten Seite und 7 Monate später das zweite auf der linken Seite.

Uns war dabei wichtig, dass Amelie von frühester Kindheit an einen möglichst natürlichen Höreindruck hat, sie sprechen lernen und sich normal entwickeln kann. Die Zeit der Anpassung und Eingewöhnung war nicht immer einfach – sie sprach aber perfekt auf die Implantate an, konnte schnell Geräusche differenzieren und machte großartige Fortschritte. Durch die richtige Unterstützung von Logopäden und HNO-Fachärzten konnte sie eine Regelgrundschule besuchen und schloss als Klassenbeste ab. Sie lernte Geige zu spielen – und das schulte ihr Gehör natürlich zusätzlich.

Das Cochlea-Implantat ist nur die Hardware. Es kommt auf den Input an - darauf, was man aus den Möglichkeiten macht, die einem gegeben werden. Mit der Entscheidung für ein Implantat hört die Verantwortung nicht auf. Es ist wichtig, die Entwicklung des Hörens stets aktiv zu fordern.

Wir haben die Entscheidung für ein Cochlea-Implantat nie bereut und sind auf die Entwicklung unserer Tochter sehr stolz.

Mein Leben mit Implantat

Oft werden mein Mann und ich gefragt, welchen Einfluss die Cochlea-Implantate unserer Tochter auf unseren Alltag haben. Die ehrliche Antwort darauf ist, dass die CIs voll in unseren Alltag integriert sind. Wir bemerken sie eigentlich fast gar nicht mehr. Für uns ist Amelie heute ein ganz normales Kind und Bedenken, die wir bezüglich der Cochlea-Implantate hatten, waren im Nachhinein gesehen unbegründet.

Seit ein paar Jahren konzentriert sich Amelie in ihrer Freizeit hauptsächlich auf den Leistungs-Golfsport und tritt sehr erfolgreich bei internationalen Turnieren an. Der Sport erfordert eine hohe Konzentrationsfähigkeit und mentale Stärke – beides hat Amelie schon früh auch durch den Umgang mit ihren Cochlea-Implantaten gelernt.

Besonders im schulischen Umfeld ist es aber immer wieder schwierig, den Herausforderungen des Alltags zu begegnen. Die Schulen und Lehrkräfte sind oft wenig sensibilisiert und wissen nicht, wie sie mit CI-Trägern umgehen sollen. Mit dem nötigen Willen und der Motivation sind aber auch diese Hürden zu überwinden, so dass ein Abschluss an einem Regelgymnasium möglich ist. Der familiäre Rückhalt und die Unterstützung der Eltern sind hier essentiell. Uns war auch wichtig, mit Amelie von Anfang an offen über die Technologie zu sprechen und sie wissen zu lassen, warum wir uns für die Implantate entschieden haben.

Es ist Amelies Traum, nach dem Gymnasium Medizin zu studieren. Als Ärztin möchte sie anderen Menschen helfen. Mit ihren Cochlea-Implantaten stehen die Chancen gut, dass sie sich diesen Traum erfüllen kann. Solche Pläne schienen in Amelies früher Kindheit völlig unrealistisch. Umso dankbarer sind wir für die Technologie, die das ermöglicht.

Meine Aufgabe als HörPAtin

Ich möchte besonders Eltern von Kindern mit Hörverlust helfen. Die Diagnose zieht einem den Boden unter den Füßen weg und es entstehen viele Ängste über die Zukunft des Kindes – wir wissen, wie sich das anfühlt. Ich will unsere Erfahrungen weitergeben, Mut machen, Ängste nehmen und zeigen, wie bemerkenswert sich ein Kind mit Hörimplantaten entwickeln kann, wenn es nur die richtige Unterstützung bekommt.

Mein wichtigster Tipp

Setzen Sie Vertrauen und Zuversicht in die Entwicklungsfähigkeit Ihres Kindes.
Es ist ausschlaggebend, dass Eltern in einer Situation wie unserer zu 100 Prozent hinter ihrem Kind stehen und mit der bestmöglichen Unterstützung eine normale Entwicklung ermöglichen.