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Hörpate Peter

  • Ort:Eberswalde, Brandenburg, DE
  • Über PeterCochlea-Implantatnutzer
  • Art des Hörverlusts:Beidseitiger Hörverlust
    Progressiver Hörverlust
    Postlingualer Hörverlust
  • Hobbys:Reisen, Musik

Meine Hörgeschichte

Von Beruf bin ich Diplom-Ökonom. Jahrelang habe ich für einen Industriebetrieb Kunden in Osteuropa betreut, da ich einige der Sprachen spreche – das hat mir großen Spaß gemacht. Auch mein Privatleben war stets voller Freude: Meine Frau und ich haben zwei Kinder groß gezogen und viele Reisen gemeinsam unternommen. Wir sind gerne zu Konzerten gegangen oder waren mit unseren Freunden aus. Meine plötzliche Ertaubung hat dieses Leben abrupt beendet.

Bereits vor 25 Jahren bin ich auf einem Ohr ertaubt. Da ich auf der anderen Seite noch gut gehört habe, habe ich nie etwas unternommen. Aber irgendwann wurde mein Gehör auch auf dem gesunden Ohr immer schlechter. Zuerst hielt ich das für eine Alterserscheinung, aber 2007  – nach zwei schweren Hörstürzen – war ich plötzlich fast vollkommen taub. Da halfen auch keine Hörgeräte mehr! Beruflich war ich mit nur 52 Jahren am Boden. Der plötzliche Hörverlust hat mich traumatisiert und ich war bereit alles zu tun, um wieder hören zu können. Denn mit der Gehörlosigkeit konnte und wollte ich mich nicht abfinden. Zum Glück hatte man mich bereits im Krankenhaus, in dem ich nach meinen Hörstürzen behandelt wurde, auf Cochlea-Implantate aufmerksam gemacht. Das hat mir wieder Hoffnung gegeben und die Entscheidung für die Operation fiel mir deshalb nicht wirklich schwer.

Mein CI hat mir mein Leben zurück gegeben. Das ist nicht nur ein Verdienst der Technik, sondern auch das Verdienst von einer ganzen Reihe Menschen, die mich untersützt und beraten haben.

Meine Familie hat mich in dieser schweren Zeit voll unterstützt und war immer für mich da. Natürlich konnte ich nach der Implantation nicht sofort hören, aber alle die ich getroffen habe – Ingenieure, Ärzte, Logopäden – haben immer versucht, mir zu helfen. Mit den CIs habe ich auch mein Leben wieder zurückbekommen. Nach den Hörstürzen war ich isoliert und unfähig, mit meiner Familie oder Freuden zu kommunizieren – nach der Implantation konnte ich wieder arbeiten und mein Leben genießen. Heute in der Altersrente umso mehr.

Mein Leben mit Implantat

Die Entscheidung für das CI hat mein Leben stark beeinflusst. Ich war eigentlich immer ein sozialer und aktiver Mensch. Die Ertaubung hat mir erstmals den Boden unter den Füßen weggezogen. Auch meine Familie war damals sehr unglücklich und meine Freunde recht verunsichert. Ich wollte unbedingt wieder hören können – deshalb war die Entscheidung für mich absolut richtig.

Natürlich hat es nach der Implantation einige Zeit gedauert, bis ich wieder gut hören und alles verstehen konnte. Neben der Anpassung der Technik durch den Audiologen war es für mich sehr wichtig, mit meiner Logopädin und auch zu Hause zu üben – zum Beispiel mit Hörbüchern oder sogar mit dem Fernseher. Es ist eine ganz andere Art zu hören, die man erst lernen muss.

Nach einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass die Geräusche wieder so klingen, wie ich sie vor der Ertaubung gehört habe. Als ich etwa zwei Jahre nach der CI-Operation wieder eine langsam losfahrende Dampflok auf dem Bahnhof hörte, dachte ich: „Jetzt bist du zurück in der hörenden Welt.“ Das war ein tolles Gefühl.

Nicht alles war genau so wie früher und wir haben den Schwerpunkt meiner Arbeitstätigkeit zumindest teilweise der neuen Situation angepasst. Natürlich musste sich auch meine Familie in manchen Situationen umstellen, aber ich kann wieder hören – und das ist unglaublich. Für mich ist es wunderschön, dass ich meinem zweijährigen Enkel zuhören kann – dafür bin ich sehr dankbar!

Meine Aufgabe als HörPate

Ich möchte andere Betroffene ermuntern und zeigen, wie man mit einer so schwierigen Situation umgehen kann. Auch wenn jeder sein eigenes Schicksal hat, kann man sich austauschen und vielleicht auch gegenseitig inspirieren.

Mein wichtigster Tipp

Mein Ratschlag ist, zu handeln. In den meisten Fällen kommt das verloren gegangene Gehör nicht von alleine zurück. Nur andere Betroffene wissen, wie sich diese Situation wirklich anfühlt und können einem bei der Entscheidung helfen. Auch wenn das erreichte Hörniveau nach der Implantation bei den Menschen unterschiedlich ist, es kommt immer mehr raus als vorher. Also warum sollte man die ausgestreckte Hand nicht annehmen?