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Christiane

  • Ort:Bitburg, Rheinland-Pfalz, DE
  • Über ChristianeEAS-Implantatnutzerin
  • Art des Hörverlusts:Beidseitiger Hörverlust Progressiver Hörverlust Postlingualer Hörverlust
  • Hobbys:Skifahren, Musik, Freunde treffen, Reisen

Meine Hörgeschichte

Meine Mutter trug seit ihrem 50. Lebensjahr Hörgeräte. Dadurch hatte ich bereits einiges an negativen Erfahrungen mitbekommen. Meine eher pessimistische Einstellung zur Schwerhörigkeit wurde durch Betroffene in meinem Umfeld verstärkt, die mir vor Augen führten, wie schwierig ein Leben mit Hörverlust sein kann.

Während meines Studiums fielen mir zum ersten Mal meine Probleme beim Verstehen auf. Viel später erst, mit 36 Jahren, stellte mein HNO-Arzt eine fortschreitende beidseitige Innenohrschwerhörigkeit fest. 10 Jahre später erhielt ich die ersten Hörgeräte, mit denen ich kaum besser verstand und die ich daher auch selten trug.

Als Mutter von drei Kindern belastete es mich zunehmend, in vielen Situationen schlecht zu verstehen. Schlimm waren zum Beispiel Zahnarztbesuche, denn bei einem Gesprächspartner mit Mundschutz konnte ich auch nicht Lippenlesen. Fast immer war ich auf die Hilfe meiner Kinder oder meines Mannes angewiesen.

Als doppelt Betroffene – durch meine eigene Hörstörung und die meiner Mutter – recherchierte ich natürlich viel im Internet und stieß auf Cochlea-Implantate (CI). Mein damaliger HNO-Arzt wusste allerdings rein gar nichts darüber. Meine Mutter erhielt schließlich mit 73 Jahren zwei CIs, fand aber das neue Hören mit CI zu Anfang nicht einfach. Das schreckte mich zunächst auch ein bisschen ab.

Andererseits bereitete mir mein mangelndes Hörverständnis zunehmend Probleme bei meiner beruflichen Tätigkeit als Diplom-Rechtspflegerin. Auch der familiäre Alltag wurde dadurch schwieriger.

Ich wechselte den HNO-Arzt. Er kannte sich mit Hörimplantaten bestens aus und empfahl mir ein EAS System (Elektrisch-Akustische Stimulation), da ich im tiefen Frequenzbereich noch über Restgehör verfügte. Nachdem ich mir weitere Fachmeinungen eingeholt hatte, ließ ich mich an der Medizinischen Hochschule Hannover von Prof. Lenarz implantieren.

Einen Tag vor der Implantation gab es im Hotel, in dem ich übernachtete, einen Feueralarm. Ich hatte nicht das Geringste davon gehört und nur durch Zufall noch rechtzeitig mein Zimmer verlassen. Jeder Zweifel hinsichtlich der bevorstehenden Implantation war in diesem Moment nachhaltig ausgeräumt.

Mein Leben mit Implantat

Ich profitiere enorm vom EAS-Implantat, habe damit eine Unabhängigkeit und Selbstsicherheit wiedererlangt, auf die ich nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Nach sehr hilfreichen ambulanten und stationären Reha-Aufenthalten bin ich sowohl mit dem Hörerfolg als auch dem Handling des Geräts mehr als zufrieden, auch wenn ich manchmal Probleme mit der Rückkopplung beim Hörgeräteteil habe. Der Erhalt meines Restgehörs klappte ebenfalls, obwohl es unmittelbar nach der Operation anders aussah.

Wieviel Stress mir die Schwerhörigkeit verursachte, wurde mir erst im Nachhinein bewusst. Die Kommunikation mit Familie und Freunden klappt nun viel besser, auch mit Gästen kann ich mich jetzt stressfrei unterhalten, selbst mit Geräuschkulisse im Hintergrund.

„Mit meinem EAS-Implantat kann ich über Witze wieder lachen, weil ich sie tatsächlich verstanden habe!“

Natürlich muss ich noch manchmal nachfragen, aber mit dem EAS System verstehe ich nach einmaliger Wiederholung meist zuverlässig.

Das Implantat erleichtert mir meine Arbei, bei der ich viel mit Menschen kommunizieren muss, sehr. Ich habe kein mulmiges Gefühl mehr vor Meetings oder Telefonaten und bin insgesamt beruflich belastbarer.

In meinem großen Freundeskreis stelle ich fest, dass meine Unterhaltungen unbeschwerter geworden sind. Sogar Smalltalks in Geräuschkulisse sind wieder möglich. Über Witze kann ich jetzt lachen, weil ich sie tatsächlich verstehe und nicht bloß, weil alle anderen lachen. Wir gehen mittlerweile auch wieder gemeinsam in klassische Konzerte, die früher je nach Tonhöhe manchmal wie Stummfilme auf mich wirkten. Zwar klingt Musik anders, nicht mehr so voll wie früher, aber ich lasse mich gern auf das spannende Abenteuer ein, Musik neu zu erfahren.

Mein Lieblingssport, das Skifahren, ist ebenfalls viel entspannter und auch ungefährlicher geworden. Es ist wirklich ein gutes Gefühl, die Pistenraupe zu hören, bevor man sie sieht!

Auch auf Reisen fühle ich mich sicherer, denn ich weiß, dass ich Lautsprecheransagen in Zug oder Flugzeug nicht mehr verpasse. Sogar in Fremdsprachen kommuniziere ich wieder. Das hatte ich mir vor der Operation nicht mehr zugetraut.

Meine Aufgabe als HörPatin

Eine Schlüsselfigur vor der Implantation war eine gleichaltrige CI-Nutzerin, deren Leben sich unglaublich positiv verändert hatte, was mich nachhaltig beeindruckte. Beeindruckt haben mich auch CI-Nutzer, die ich in der Reha kennenlernte und die bei mir durch ihren optimistischen, lebensfrohen Umgang mit der Schwerhörigkeit ein Umdenken zum Positiven hin bewirkten. Als Hörpatin möchte ich schwerhörige Menschen jeden Alters ermutigen, aktiv zu werden, Lösungen zu suchen und sich mit Betroffenen auszutauschen. Ich will meine Erfahrung teilen, dass man mit einem Hörimplantat nur gewinnen kann. Außerdem will ich CI-Nutzer bestärken, die viel zitierte Barrierefreiheit von Politik und Gesellschaft auch für Hörbeeinträchtigte einzufordern. Was eine fehlende Rampe für Rollstuhlfahrer ist, ist für CI-Nutzer z.B. eine schlechte Raumakustik.

Mein wichtigster Tipp

Schaut genau hin, wenn ihr vermutet, dass jemand schlecht hört und helft. Steckt Schwerhörige nicht gleich in Schubladen wie „alt/dement“. Passt auf das sensible Sinnesorgan Ohr gut auf, schützt euch und eure Kinder vor Lärm. Informiert euch über Lösungsmöglichkeiten bei Hörverlust und lasst euch niemals entmutigen!