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Hörpatin Isabelle

  • Ort:Poppenhausen, Bayern, DE
  • Über IsabelleCochlea-Implantatnutzerin
  • Art des Hörverlusts:Beidseitiger Hörverlust
    Angeborener Hörverlust
    Prelingual Hörverlust
  • Hobbys:Hunde, Spazieren, Rad fahren

Meine Hörgeschichte

Ich wurde fast taub geboren. Aber weil ich immer sehr aufgeweckt und lebhaft war, sind meine Hörprobleme lange Zeit niemandem aufgefallen. Eines Tages hat mein Onkel die Probe aufs Exempel gemacht und direkt hinter mir einen Teller mit lautem Krachen fallen lassen. Als ich nicht einmal mit der Wimper gezuckt habe, war klar, dass mit meinem Gehör etwas nicht stimmte. Damals standen Cochlea-Implantate noch am Anfang ihrer Entwicklung und waren recht unbekannt, darum hat man es erst mal mit Hörgeräten versucht.

Mit nur knapp 10% Restgehör habe ich es auf die Regelschule geschafft, hatte auch normal hörende Freunde und war immer sportlich sehr aktiv. In der siebten Klasse merkte ich dann aber, dass ich mit dem Frontalunterricht in der Schule nicht mehr klar kam. Deshalb habe ich die Schule gewechselt, verließ meine Heimatstadt Schweinfurt und kam auf die Samuel-Heinicke-Realschule für Schwerhörige in München. Meine Leidenschaft für Hockey spielte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für diesen Ortswechsel – in München wollte ich mich beim Bundesligaverein MSC nämlich zur Profispielerin entwickeln. Und das ist mir auch gelungen.

Nach der Schule bin ich dann für drei Semester an die Uni, habe das Studium aber abgebrochen und mir einen Ausbildungsplatz in der Forstwirtschaft gesucht – ich bin einfach kein Büromensch. Aber auch das war noch nicht das, wonach ich gesucht habe. Während dieser Zeit habe ich meine Liebe zum Fahrradfahren entdeckt – und die hat mich zu einer Ausbildung zur Handelsfachwirtin in einem Fahrradgeschäft gebracht. Meine Hörprobleme haben mich bei all dem oft limitiert – natürlich im Studium und bei der Ausbildung, aber auch in Gesprächen mit Familie und Freunden. Da ich bereits in der Schule Kontakt zu CI–Trägern hatte, wusste ich, was mit dieser modernen Technologie möglich ist. Deshalb habe ich mich letztendlich für ein Implantat entschieden. Mein Umfeld hat mich stets unterstützt und ich bin sehr froh, dass ich den Schritt gegangen bin.

Mein Leben mit Implantat

Der Unterschied zu meinem Leben vor dem Implantat ist gravierend. Viele können sich das nicht vorstellen, aber früher konnte ich zum Beispiel ausschließlich mit meinen Eltern telefonieren – und das auch nur, wenn ich mit „Ja“ oder „Nein“ antworten konnte. Heute ist telefonieren auch mit Fremden kein Problem mehr. Ich kann den Hörer in die Hand nehmen und einfach jemanden anrufen.

Als HörPatin möchte ich anderen Mut machen und zeigen, welche Bereicherung mein Implantat für mich ist.

Ansonsten spürt man die Verbesserung an vielen Kleinigkeiten. Beim Spazierengehen mit meinem Hund kann ich zum Beispiel wieder die Vögel zwitschern hören; das war vorher absolut undenkbar. Als ich als Erwachsene dank CI das erste Mal in meinem Leben einen Frosch quaken hörte, war ich gerade mit meinem Vater unterwegs. Ich musste ihn tatsächlich fragen, was das ist, denn ich konnte das Geräusch nicht zuordnen – ich hatte es ja noch nie gehört.

Meine Familie hat mich immer unterstützt und mir geholfen, mit dem CI umzugehen. Gerade am Anfang kann es nämlich sogar schwierig sein, so viel zu hören, weil man das überhaupt nicht gewohnt ist. Es braucht eine gewisse Disziplin, das Hören zu üben, doch es ist auch wichtig, sich seine Auszeiten zu nehmen. Mein Hobby Radfahren ist dafür perfekt geeignet. Inzwischen fahre ich bei den Gehörlosenmeisterschaften ganze vorne mit – ich habe aber auch kein Problem damit, Normalhörende auf die hinteren Plätze zu verweisen

Meine Aufgabe als HörPatin

Ich möchte andere bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützen und ihnen die Angst vor der Operation nehmen. Heute freue ich mich darüber, dass ich mutig genug war, die Operation zu wagen, aber ich weiß noch, dass ich in dieser Zeit viele Fragen hatte. Es ist wichtig, Antworten auf alles zu bekommen und auch zu wissen, dass die eigenen Bedenken ernst genommen werden.

Mein wichtigster Tipp

Wichtig ist, seine Angst zu überwinden und bereit zu sein, das Hören mit viel Disziplin neu zu lernen. Ich weiß, welche Bereicherung ein Hörimplantat ist, aber auch, welche Hürden zu nehmen sind.