Thomas

  • Ort:Melle (Osnabrück)
  • Über ThomasCochlea-Implantatnutzer
  • Art des Hörverlusts:beidseitiger
    progressiver
    postlingualer Hörverlust
  • Hobbys:Reisen, tanzen, Nordic Walking, Fotografie, Musik

Meine Hörgeschichte

Ich bin Baujahr 1960 und normalhörend aufgewachsen. Mit vierzig bemerkte ich, dass meine Umwelt zunehmend undeutlich sprach. Durch verschiedene Hinweise meines persönlichen privaten und beruflichen Umfelds wurde mir sehr schnell deutlich, dass das Hauptproblem bei meinem fortschreitenden Hörverlust liegt. Mit Anfang vierzig bekam ich die ersten Hörgeräte. Mit diesen und auch den folgende bin ich allerdings nie richtig glücklich geworden bzw. erreichte ich nie ein hundertprozentiges Sprachverständnis. Dazu kamen im Laufe der Zeit mehrere Hörstürze, die meine private und berufliche Situation sehr verschlechterten.

Seit Ende der siebziger Jahre bin ich als Krankenpfleger tätig und mittlerweile seit mehr als 25 Jahren im OP. Das berufliche Umfeld ist für Hörgeschädigte eine echte Herausforderung. Durch Mundschutz bedingt kann ich zum einen das Mundbild meines Gegenübers nicht sehen und nutzen, zum anderen werden die hohen Töne unterdrückt. Dazu kommt noch eine breite Palette von Störgeräuschen durch eine Reihe medizinischer Geräte.

Privat zogen wir uns leider immer mehr zurück. Ein Grund war die Tatsache, dass ich nach einem langen Arbeitstag einfach zu müde war. Zum anderen hatte ich immer Angst, bei Gesprächen oder Diskussionen entscheidende Sätze nicht richtig zu verstehen. Einen Restaurantbesuch, speziell abends, vermied ich, da ich durch meist recht laute Umgebung kaum etwas verstand und mich kaum an Gesprächen beteiligen konnte.


Mein Weg zum CI – langsam, aber sicher!

Nach einer Reihe von Hörstürzen 2009 und 2013 machte ich eine Reha in der Kaiserbergklinik Bad Nauheim. Dort hatte ich glücklicherweise die Gelegenheit, mein Sprachverständnis zusammen mit Cochlea-Implantat (CI)-Trägern zu trainieren. So konnte ich die Hörerfolge meiner Mitstreiter direkt miterleben. Die Option einer Cochlea-Implantation hatte ich mir für die Zukunft im Hinterkopf behalten. 2016 wurden meine Hörschwierigkeiten sowohl privat als auch beruflich immer gravierender. Nun nahm ich das Projekt CI in Angriff. 2017 gab es von der medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zunächst das Okay für eine Seite, das mir nach weiteren ambulanten Untersuchungen 2018 auf der linken Seite eingesetzt wurde. Dank den guten Erfahrungen mit meinem ersten CI und einem fortschreitenden Hörverlust auf der anderen Seite entschied ich mich im Folgejahr, auch diese implantieren zu lassen. Aufgrund von einigen Nebenerkrankungen habe ich mich für eine Operation in Lokalanästhesie entschieden - für mich eine sehr gute Entscheidung. Die Nachwirkungen der Operation habe ich wesentlich besser vertragen als beim ersten Mal. Ich fühlte mich sehr gut, hatte praktisch keine Schmerzen, konnte unmittelbar nach der OP wieder essen und trinken und wie gewohnt spazieren gehen.

Die CIs haben meinem Leben eine Kehrtwende um 180 Grad gegeben. Und mir Sicherheit und Rückhalt.

Hörstürze haben mein Leben begleitet. Auch nach der ersten Implantation erlitt ich noch drei Hörstürze. Im Gegensatz zu früher verstand ich allerdings alles in meinem Umfeld klar und deutlich mit meinem CI. Aufgrund der Hörstürze haben meine Gleichgewichtsorgane mittlerweile komplett ihre Funktion eingestellt. Nach einigen Monaten und durch intensives Training zu Hause ist mein Gleichgewichtsempfinden nun wiederhergestellt und der Schwindel auf ein Minimum reduziert.

Mein Leben mit dem Cochlea-Implantat


Mit beiden CIs hatte ich praktisch sofort bei der der Erstanpassung ein offenes Sprachverständnis. In Ruhe bzw. bei normalem Geräuschumfeld habe ich mittlerweile ein hundertprozentiges Sprachverständnis entwickelt. Ich kann mich auf meine CI und den Sprachprozessoren hundertprozentig verlassen und nehme selbstbewusst an jedem Gespräch teil. Meine berufliche Situation hat sich grundlegend geändert, sodass ich meinem Beruf unbesorgt bis zum Renteneintritt ausüben kann. Ausgesprochen hilfreich ist ein eigentlich perfektes räumliches Hören, das ich zu Hörgeräte Zeiten nie hatte.

Ich bin stolz, froh und glücklich über meine Cochlea-Implantate. Jeden Morgen freue ich mich über die Alltagsgeräusche in unserem Haus und die zum Teil wiedergewonnenen Geräusche in der Natur. Musik kann ich mittlerweile auch wieder genießen. So kann ich wieder mit meiner Frau Konzerte besuchen und auch mal wieder tanzen gehen. Was ich dank CI auch sehr schätzen gelernt habe ist, bewusst die Stille zu genießen, wenn die Prozessoren mal abgeschaltet sind.

MEINE AUFGABE ALS HÖRPATE


Meine Lebensqualität hat sich mit den Cochlea-Implantaten gewaltig verbessert. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, diese neue, schöne Art des Hörens noch bekannter zu machen.
Leider gibt es immer noch einige HNO-Ärzte, die diese Technik überhaupt nicht kennen oder nach veralteten Indikationsstandards („ein CI ist nur für völlig taube Menschen“) behandeln.
Doch auch Ärzte und Techniker, die in der CI-Materie versiert sind, können nur aus ihrer Sicht beraten. Ich als erfahrener Anwender wiederum kann Betroffenen die Möglichkeit der Technik vermitteln, aber auch die Grenzen aufzeigen. Mir macht es Freude, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen!

 

MEIN WICHTIGSTER TIPP

Nicht zu lange warten mit der Implantation! Je mehr Hörvermögen noch vorhanden ist, desto weniger muss das Gehirn neu erlernen. Ich hatte bei beiden Erstanpassungen sofort ein offenes Sprachverständnis, was auch daran lag, dass ich meine CIs mit einem Restgehör von 20% bzw. 25% bekommen hatte.
Ein weiterer wichtiger Tipp: Informieren, informieren, informieren! Ich empfehle Betroffenen, CI-Träger anzusprechen, in einer Selbsthilfegruppe, auf der Straße oder hier bei den HörPaten. Sie geben sicher gerne Auskunft.