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Aktiv gegen Hörverlust und Depression

02.April.2019

Gerhards Weg zu einem Cochlea-Implantat und zurück ins Leben

„Gehe du vor, sagte die Seele zum Körper, auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er ja auf dich.“
„Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für dich haben, sagte der Körper zu Seele.“

Ullrich Schärfer

Rund 10-12 Millionen Deutsche sind laut WHO schwerhörig. Schwerhörigkeit ist nicht nur mit einem Verlust an Lebensqualität, sondern oftmals auch mit einem höheren Risiko, an einer Depression zu erkranken verbunden.

HörPate Gerhard erlebte genau das und gibt uns einen sehr persönlichen Einblick in eine für ihn sehr schwere Zeit.

„Ich war immer ein Mensch, der die Kommunikation brauchte, im Fasching auf der Bühne stand und meinem Lieblingssport Golf nachging“, beschreibt er sich. Zwischen 1985 und 2012 verwendete Gerhard sechs Paar Hörgeräte, während sich sein Gehör stetig verschlechterte.

Im Jahr 2010, mit 58 Jahren, bemerkte er zum ersten Mal, dass sich in ihm etwas verändert hatte, er sich öfter zurückzog. Er trat zuerst aus der Golfmannschaft, ein Jahr später dann auch aus dem Golfclub aus. Lustlosigkeit und sogar Suizidgedanken waren ständige Begleiter. Auch das Bedürfnis sich mit Familie, Freunden und Bekannten auszutauschen, wurde immer weniger. Der Hörverlust machte es fast unmöglich.

HörPate Gerhard versuchte trotz seiner zunehmenden Schwerhörigkeit noch 2012, beruflich Neues in Angriff zu nehmen. Doch der Job entpuppte sich als enormer Stressfaktor. Er erforderte viel Kommunikation mit Kunden, von denen Gerhard täglich 10 bis 15 besuchte. Er erinnert sich: „Jedes Gespräch, jede Kommunikation waren für mich der Horror. Mich immer und immer wieder erklären zu müssen – „Entschuldigung, ich habe Sie nicht verstanden. Könnten Sie es bitte wiederholen?“ – setzten mich derart unter Stress, dass mein Körper reagierte.“

Gerhard hatte oft genug körpereigene Signale ignoriert, doch nach einem Zusammenbruch und der Diagnose Burnout mit depressiven Auffälligkeiten entschied er sich, sein Leben zu ändern. Er entschloss sich zu einem fast 9-wöchigen stationären Aufenthalt in einem psychiatrischen Krankenhaus. Nach seiner Entlassung fühlte er sich „wie ein nackter Mann, ohne Hemd und Hosen, total hilflos.“

Gerhard beschloss, etwas gegen seine Schwerhörigkeit zu unternehmen. Die Aussage eines Hörgeräteakustikers, er müsse mit der Schwerhörigkeit leben, akzeptierte er nicht. Durch seinen HNO-Arzt wurde er auf Cochlea-Implantate aufmerksam und entschied sich 2014 für eine Operation.

Nach seiner ersten CI-Operation ging es mit Gerhards Sozialleben bergauf. Er meldete sich wieder beim Golfclub an, ging viel aus und hatte Spaß am Leben. Aus Interesse und dem Wunsch heraus, anderen zu helfen, absolvierte er knapp zwei Jahre nach seiner Implantation eine Ausbildung zum Familien- und Konfliktberater. Er nahm einen Nebenjob an und engagiert sich seit seiner zweiten CI-Operation ehrenamtlich.

Gerhard gründete eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen, Ängsten, Panikattacken und Blockaden. Sein bester Freund und Therapeut wurde sein Hund Hutch. Die Arbeit in der Selbsthilfegruppe, die sich wöchentlich traf, half Gerhard, seinen Weg zu finden und auch anderen Menschen zu helfen.

Warum begünstigt Hörverlust die soziale Isolation und Depression? Das liegt laut Wissenschaftlern vor allem an den Kommunikationsproblemen, die mit der Schwerhörigkeit auftreten. Gerhard meint: „Jeder Mensch, der mit Schwerhörigkeit zu tun hat, sollte sich bewusst sein, dass sie unwillkürlich körperliche, psychische und soziale Probleme verursacht: Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, ein nachlassendes Kurzzeitgedächtnis, Angst, sozialer Rückzug bis hin zur Arbeitsunfähigkeit – all das ist ein Nährboden für Depressionen.“

Gerhard schaffte es mit seiner Cochlea-Implantat-Versorgung, diesen Kreislauf zu durchbrechen und wieder mit Menschen zu kommunizieren. Durch einen anschließenden Reha-Aufenthalt konnte er noch mehr Nutzen aus dem CI ziehen. „Ich war aktiv gegen meine Schwerhörigkeit und gegen meine Depression. Diese Kombination hat mir wieder ein besseres Leben ermöglicht.“

Als HörPate hofft Gerhard, Menschen, die ein ähnliches Schicksal erleben, beraten und unterstützen zu können. Für Fragen rund um die Themen Hörverlust und Depression oder zu seinem Weg zu einem Cochlea-Implantat steht Gerhard gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.

Gerhard kontaktieren: https://de.hearpeers.com/hoerpaten/gerhard/