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Botschafter für die Welt des Hörens

29.October.2018

Hörpaten-Jahrestreffen bei MED-EL in Innsbruck

Aufmerksam lauschten Josephine und Max Ende September in den Seminarräumen von MED-EL Innsbruck dem Vortrag über die neuesten Entwicklungen bei Hörimplantaten. Dass die beiden jungen Leute so gut zuhören können, ist keine Selbstverständlichkeit. Bei ihnen funktioniert das Wunderwerk Ohr nicht wie es funktionieren sollte, deshalb sind sie Träger von Cochlea-Implantaten. Olga, die ebenfalls aufmerksam die Ausführungen verfolgte, ist zwar selbst keine Implantat-Trägerin, aber sie ist Mutter einer dreizehnjährigen Tochter, die schon als Baby Cochlea-Implantate bekam.

Informationen aus erster Hand

Josephine, Max und Olga gehören zum immer größer werdenden Team von MED-EL Hörpaten. Sie stellen sich als Auskunftsgeber für Menschen zur Verfügung, die sich über Implantate zur Hörverbesserung informieren wollen. Natürlich, kompetente Auskünfte vermitteln vor allem auch Mediziner und Hörimplantathersteller, aber die wenigsten dieser Fachleute haben selber so ein technisches Wunder im Ohr. Kandidaten für eine Implantats-OP aber wollen ganz genau und sozusagen aus erster Hand wissen, wie es sich mit einem Implantat lebt und worauf man dabei achten sollte. Sie haben viele Fragen, zum Beispiel: Ist die Operation schmerzhaft? Wie lange brauche ich, bis ich mit dem System zurechtkomme? Wie ist das mit den Störgeräuschen? Kann man mit einem Hörimplantat schwimmen gehen? Wie oft muss ich die Batterien wechseln? Auch die Optik ist von Interesse: Ist das Gerätedesign genügend diskret und unauffällig? Hörpaten wie Josephine, Max und Olga geben darüber gerne Auskunft.

Implantats-Kandidaten haben sehr viele Fragen

Weil es dazu nicht nur Bereitwilligkeit, sondern auch die nötigen kommunikativen und fachlichen Kompetenzen braucht, trafen sich Ende September Hörpaten aus Deutschland auf Einladung von MED-EL zu Fortbildung und Informationsaustausch in Innsbruck. Bei einer umfassenden Betriebsbesichtigung und in Vorträgen wurden sie über die neuesten Entwicklungen bei Hörsystemen informiert. Auch sie selber fanden aufmerksame Zuhörer, als sie in einem anregenden Austausch über ihre Tätigkeit als Hörpaten berichteten. Dieser „Service“ wird gerne angenommen. Olga: „Es ist schön, wenn man die Erfahrungen, die man selber mit Implantaten gemacht hat, an andere Betroffene weitergeben kann. Aber man sollte dabei nicht missionarisch wirken und die Skepsis, die manche Menschen gegenüber Implantaten haben, ernst nehmen. Nur dann kann man im Entscheidungsprozess eine gute Begleitung sein.“

Mit eigenen Erfahrungen anderen Betroffenen helfen

Die zwanzigjährige Josephine, die vor fünf Jahren wegen eines progressiven Hörverlustes am linken Ohr ein Cochlea-Implantat eingesetzt bekam, erinnerte sich beim Gedankenaustausch an ihre eigene Unsicherheiten und Zweifel: „Ich hätte vor der Operation gerne jemandem gehabt, dem ich hätte all die Fragen stellen können, die mich damals bewegten. Aus diesem Grund halte ich die Idee der Hörpaten für sehr gut. Ich mache gerne mit und es freut mich, wenn ich mit meinen Erfahrungen anderen Betroffenen weiterhelfen kann.“ Weil sie das Thema so interessiert, studiert Josephine übrigens Hörtechnik und Audiologie. Außerdem spielt sie Cello in einem Orchester und ist dabei nun nicht mehr auf die Unterstützung ihrer Mutter angewiesen, die ebenfalls Cello spielt und die ihrer Tochter früher wegen deren Schwerhörigkeit beim Spielen ständig Hinweise geben musste. Das Implantat hat sozusagen zu Josephines Emanzipation beigetragen.

Max spielt sogar leidenschaftlich Rugby

Auch der 24 jährige Max ist ein selbstbewusster und überzeugter Implantat-Träger und ein engagierter Hörpate. Er wurde taub geboren und bekam bereits im Alter von zwei und vier Jahren jeweils ein Cochlea-Implantat eingesetzt. Heute verspürt er keine Einschränkungen mehr im Leben. Er spielt sogar den Kontaktsport Rugby mit vollem Einsatz, wie er beim Jahrestreffen begeistert und begeisternd zu berichten wusste. Auch er freut sich, wenn seine Erfahrungen dazu beitragen können, dass Kindern bei Bedarf frühzeitig Implantate eingesetzt werden und ihnen dadurch ein „normales“ Leben und eine Ausbildung nach ihrem Wunsch ermöglicht wird.

Dankbarkeit für diese Wunder der Technik

So hörten bei diesem informativen und unterhaltsamen Jahrestreffen alle einander gerne zu und es war auch viel Dankbarkeit zu spüren – einerseits gegenüber Forschung und Technik, die solche Wunder der Technik vollbringt und andererseits gegenüber den Paten, die so überzeugende Botschafterinnen und Botschafter für die Welt des Hörens sind.

Mit den Hörpaten in Verbindung treten lässt es sich am besten über die Vermittlungsplattform „hoerpaten.de“. Hier kann man sich entweder direkt an eine Patin oder einen Paten wenden oder wird mittels eines Fragebogens zu jenen Paten weitervermittelt, die bei speziellen Fragen am besten weiterhelfen können.