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Lehrerin von hörgeschädigten Schülern

Mit Hörimplantat in der Regelschule – Tipps für Eltern mit hörgeschädigten Schülern

19.September.2017

Der Schulalltag hat vor kurzem begonnen und tausende Kinder tummeln sich wieder voller Wissensdurst in den Klassen. Immer mehr hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler besuchen dank Hörimplantat Regelschulen. Sie sind jedoch mit Herausforderungen konfrontiert, die Kinder mit gesundem Gehör nicht kennen – und derer sich auch Lehrer häufig nicht bewusst sind. Im folgenden Artikel finden Sie ausführliche Informationen, die für eine gelungene Integration Ihres Kindes an einer Regelschule hilfreich sein können.

  1. Halten Sie engen Kontakt mit den Lehrpersonen an der Schule und klären Sie sie über Hürden auf, die den schulischen Alltag Ihres hörbeeinträchtigten Kinde erschweren.
  2. Erzählen Sie ihnen vom Hörverlust Ihres Kindes und welchen Schweregrad dieser hat.
  3. Erklären Sie das Wichtigste über die Hörhilfe Ihres Kindes, die Bestandteile des Hörimplantats und wie das Hören damit funktioniert.
  4. Betonen Sie, wie wichtig es ist, dass die Hörhilfen gerade bei jüngeren Schülern ständig verwendet werden und auch immer funktionieren. Engagierte Lehrkräfte sind gerne bereit, sich das Wechseln der Batterien sowie andere grundlegende Funktionen zeigen zu lassen. Sie sollten keine Angst haben, dass sie dadurch den Prozessor beschädigen und dafür haftbar gemacht werden. Die meisten Schulkinder können ihre Batterien selbst wechseln.
  5. Dennoch ist es wichtig, die Lehrkräfte über den Wert des Hörgeräts bzw. des Audioprozessors zu informieren. Ein Sportlehrer z.B. versteht die Bedenken der Eltern gegenüber Ballspielen danach sicherlich besser.

Lärmpegel

In einer allgemeinen Schule ist der Lärmpegel meist hoch. Für hörgeschädigte Schüler bedeutet das deutlich mehr Konzentration, damit sie dem Unterricht folgen können. Kleinere Klassen wären optimal, allerdings liegt die Klassengröße außerhalb des Einflussbereichs der Eltern. Doch es gibt zahlreiche einfache Maßnahmen, um den Lärmpegel zu reduzieren. Solche Maßnahmen haben auch einen positiven Effekt für normal hörende Kinder und erleichtern das Unterrichten für die Lehrkräfte. Hier einige Beispiele:

  • Vorhänge im Klassenzimmer
  • Filz an den Stuhlunterseiten
  • Deckensegel
  • Regale
  • Matratzen
  • Mit Stoff beschichtete Wände
  • Teppiche
  • geschlossene Klassentüre und
  • geschlossene Fenster

 

Der ideale Sitzplatz

Die Sitzordnung im Klassenzimmer ist ebenfalls ein relevanter Punkt, der viel zum Lernerfolg von schwerhörigen Schülern beiträgt.

Der Sitzplatz ist idealerweise seitlich und vorne beim Fenster. Das schwerhörige Kind sollte nicht gegen das Licht schauen müssen. An diesem Platz hat es im allgemeinen Lehrer und Mitschüler gut im Blick. Da für Hörgeschädigte das Lippenlesen eine große Unterstützung ist, sollte das Gesicht der Lehrerin immer gut sichtbar sein.

Tipps für den Unterricht

Die Unterrichtsmethoden des Lehrers können die schulischen Leistungen Ihres Kindes ebenfalls positiv beeinflussen. Im allgemeinen profitieren alle Schüler davon, wenn Informationen nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich kommuniziert werden.

Tragen Sie an die Lehrer die Bitte heran,

  • kurze, klare Angaben zum Inhalt der Unterrichtsstunde zu geben
  • Themenwechsel anzukündigen
  • Fragen von Mitschülern zu wiederholen
  • Wichtige Informationen zu Hausübungen oder Tests schriflich zu geben
    Keine wichtigen Informationen und Erklärungen zu geben, während sie der Klasse den Rücken zudrehen (z.B. an der Tafel).
  • Gruppenarbeiten mit maximal 3-4 Kindern durchzuführen

 

Behindertengleichstellungsgesetz

Eine große Erleichterung für schwerhörige Kinder bringen auch FM-Anlagen. Sie überbrücken die Distanz zwischen Lehrer und hörgeschädigtem Schüler und übertragen die Stimme der Lehrer direkt ins Hörgerät oder Hörimplantat. Gleichzeitig hört das Kind auch seine Mitschüler. Das deutsche Behindertengleichstellungsgesetz regelt in §9 die Verwendung von Kommunikationshilfen inklusive der Kostenübernahme durch Krankenkassen, sodass den Nutzern keine Nachteile – auch finanzieller Art – entstehen.

Ein hörgeschädigter Schüler an allgemeinen Schulen hat außerdem Anspruch auf einen gesetzlich verankerten Nachteilsausgleich. Er beinhaltet unter anderem

  • die Streichung von Hörverständnistests in der Muttersprache sowie in Fremdsprachen
  • schriftliche statt mündlichen Prüfungen
  • Zeitverlängerung bei Tests

Hörpaten beraten Sie

Die Liste an Hilfestellungen lässt sich noch um viele Punkte erweitern. Hörgeschädigte Schüler in allgemeinen Schulen bekommen oft Stützlehrer zur Seite gestellt, die den Lehrern wertvolle Tipps zur Unterrichtsgestaltung geben können. Hörpatin Olga, Mutter der 2004 geborenen Amelie, hat viel Erfahrung, wie der Alltag mit Hörbeeinträchtigung und Implantat an Regelschulen ist und teilt diese gern mit anderen Betroffenen. Olgas Rezept für eine erfolgreiche Schullaufbahn: „Eine offene innere Haltung der Lehrer ist das Allerwichtigste.“ Gelingt die Verständigung mit den Eltern, steht einer guten Integration von Hörgeschädigten an allgemeinen Regelschulen nichts im Weg.