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Alter Mann mit Hörgerät und Kind

Schwerhörigkeit im Alter – unvermeidbar?

19.September.2017

Viele Menschen glauben, dass Schwerhörigkeit zum Älterwerden gehört. Sie akzeptieren lange, dass sie nicht mehr alles so gut hören. Im Gegensatz zum schlechten Sehen dauert es oft Jahre, dass Betroffene etwas dagegen unternehmen. Hörgeräten haftet leider immer noch ein negatives Stigma an.

Altersschwerhörigkeit bemerkt man nicht sofort, sie wird allmählich schlechter. Die hohen Töne sind meistens zuerst betroffen. In der Folge versteht der ältere Mensch bestimmte Buchstaben schlechter: f, s, p oder t. „Die anderen nuscheln so!“, hört man häufig. Die hohen Stimmen von Kindern oder Frauen, aber auch das Verstehen in größerer Gesellschaft werden zur Herausforderung beim Hören.

Die Ursache für den Hörverlust im Alter liegt am zunehmenden Alter des Innenohres. Die sensiblen Härchen im Innenohr, der Cochlea, verlieren allmählich ihre Funktion. Häufig kann mit Hörgeräten das Hören wieder verbessert werden. Wenn das Gehör schon zu schlecht ist, dass auch Hörgeräte nicht mehr helfen, gibt es die Alternative Hörimplantate. In diesem Fall muss der Hörnerv intakt sein.

Wichtig ist in jedem Fall, dass der betroffene Mensch rechtzeitig etwas gegen die Schwerhörigkeit unternimmt. Viele Erkrankungen, die oft in Folge von Hörverlust auftreten, können dadurch unter Umständen hinausgezögert oder vermieden werden. In Zusammenhang mit Hörverlust werden immer wieder die selben Risiken genannt:

  • Vereinsamung und Depression
  • Höheres Sturzrisiko
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Diabetes
  • Rascherer kognitiver Abbau

 

Schwerhörigkeit bedeutet oft soziale Isolation

Ältere Menschen, die in lauter Umgebung nicht mehr gut verstehen, bleiben aus diesem Grund oft lieber zuhause. Statt in einem Verein mit anderen Gleichgesinnten zu reden, bemühen sie sich, zuhause den Fernseher/Radio zu verstehen. Dieser soziale Rückzug führt zu Vereinsamung und kann sogar zu Depressionen führen.

Schwerhörigkeit hat Auswirkungen auf die Partnerschaft

Altersschwerhörigkeit hat auch auf die Familie direkte Auswirkungen. Schwierigkeiten beim gegenseitigen Verstehen, Missverständnisse, Rückzug und verlorene Sozialkontakte belasten Angehörige oft sehr. Oft sind die Partner schwerhöriger Älterer die wichtigste Verbindung zur Außenwelt. Diese Situation kann mit der Zeit für alle Beteiligten sehr belastend werden und bis zum Burnout für die Angehörigen führen.

Hörverlust und Demenz

Hörverlust und kognitiver Abbau/Demenz stehen miteinander in Zusammenhang. Fest steht, dass Menschen mit unbehandeltem Hörverlust ein höheres RISIKO haben, an Demenz zu erkranken. Das bedeutet nicht, dass alle schwerhörigen Personen später dement werden. Wissenschaftler auf der ganzen Welt untersuchen derzeit, ob man einen leichten geistigen Abbau bei schwerhörigen Menschen unter Umständen mit Hörhilfen hinauszögern kann. Ergebnisse dazu werden jedoch erst in einigen Jahren erwartet.

Tatsache ist, dass Hörverlust und Demenz ähnliche Symptome haben (Änderungen in der Persönlichkeit bis hin zu gereiztem Verhalten, unpassende Antworten, sozialer Rückzug). Leider gibt es noch keine standardisierten deutschsprachigen kognitiven Testungen, die Hörverlust berücksichtigen. Da viele Tests auf gutes Hören zurückgreifen, schneiden Schwerhörige meist schlechter ab. Sie verstehen u.U. die Aufgabe nicht ganz klar, und wenn sie Wörter wiederholen und sich merken müssen, haben sie ein Problem, wenn sie die Wörter schon beim Vorlesen nicht richtig hören konnten. Außerdem muss viel Konzentration auf das Hören der Aufgaben investiert werden, wodurch weniger Merkfähigkeit für das Erinnern der Wörter zur Verfügung steht.

Nutzen von Hörhilfen

Der direkte Nutzen von Hörgeräten und Hörimplantaten ist das verbesserte Hören. Es wird regelmäßig getestet. Auch im fortgeschrittenen Alter schneiden Hörimplantate gut aus. Ältere Menschen hören in Situationen ohne Hintergrundlärm mit Hörimplantat gleich gut wie jüngere Nutzer. Ist Hintergrundlärm vorhanden, schneiden Ältere etwas schlechter ab als Jüngere, doch verglichen mit der Zeit ohne Implantat verstehen sie trotzdem deutlich besser.

Egal ob alt oder jung, Menschen, die aktiv sind, bewerten ihre Lebensqualität meist höher als jene, die inaktiv zuhause sind. Hören können bedeutet Kommunikation mit Familie und Freunden, Musik, Fernseher und Radio hören können, telefonieren, selbstständig Erledigungen machen (Arztbesuche, Einkäufe) – kurzum Hören bedeutet Unabhängigkeit. Ertaubte Senioren berichten subjektiv von einer höheren Lebensqualität mit Hörimplantat, da es ihnen diese bereits verloren geglaubten Fähigkeiten wiederschenkt.

Senioren stehen Hörimplantaten allerdings oft kritisch gegenüber, weil sie Angst vor der Operation haben. Für erfahrene HNO-Chirurgen ist eine Implantation jedoch ein Routineeingriff, auch bei sehr alten Patienten. Die Operation dauert ca. 1-3 Stunden und die Patienten können normalerweise am nächsten Tag wieder aufstehen. Der Krankenhausaufenthalt beträgt 3-5 Tage. Auch für ältere Menschen birgt die Operation kein höheres Risiko. Ausschlaggebend ist vor allem, ob der Patient eine Vollnarkose gut übersteht und mit dem Implantat umgehen kann. Sollten medizinische Gründe gegen eine Vollnarkose sprechen, so implantieren heutzutage auch viele HNO-Chirurgen mit Lokalanästhesie. Für ein Hörimplantat gibt es keine Altersobergrenze. Auch über 90-Jährige werden damit versorgt.

Wenn Sie wissen wollen, wie das Leben mit Hörimplantat für einen älteren Menschen ist, kontaktieren Sie unseren Hörpaten Peter. Der rüstige Rentner teilt seine Erfahrungen mit dem Cochlea-Implantat gern mit Ihnen.